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Höhenflüge

HöhenflügeEinen Höhenflug der ganz besonderen Art hatten sich kürzlich zwei bislang unbekannte Fallschirmspringer ausgedacht und stürzten sich als Basejumper unerlaubt vom Stuttgarter Fernsehturm in die Tiefe und verschwanden unerkannt.Kürzlich war ich auch dort oben in Degerloch auf dem Wahrzeichen der Stadt. Mit dem superschnellen Aufzug wird man in Nullkommanichts für 5 Euro auf die Aussichtsplattform gefahren. Und sogar die obere Ebene war an diesem Tag mit ihren rundumlaufenden Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten zugänglich. Wenn man den Blick schweifen läßt, erscheint Stuttgart wunderschön, umrahmt von viel Grün, angestrahlt von der Sonne sieht alles blitzsauber und wie gemalt aus. Da fällt es selbst Kennern weniger schöner Viertel der Neckarmetropole leicht, nicht näher hinzusehen. Der Vergrößerungszoom bleibt ausgeschaltet und die verdreckten Gehwege unsichtbar, bei denen man meinen könnte, die schwäbische Kehrwoche sei gänzlich in Vergessenheit geraten. Sanierungsbedürftige Fassaden verschmelzen im Blick auf das mosaikartige Häusermeer, mit Feinstaubplaketten beklebte, kreative Wildparker werden gar unsichtbar in den feinen Linien der übervölkerten Straßenzüge des Stuttgarter Westens. Seltsam wie allein die Entfernung Hässliches in respektable Schönheit verwandeln kann – alles nur eine Frage des Standpunktes und der Sichtweise - im wahrsten Sinne des Wortes.Die Fernsicht ist an windigen und klarsichtigen Tagen herrlich und dunstfrei weitreichend bis ins tiefe Hinterland. Aus der Vogelperspektive sehen die Autosauf dem Parkplatz direkt unterhalb des Turms wie Spielzeuge aus, die schönen Anlagen der Waldau mit den exakt gerahmten, rotbraunen Tennisplätzen und grünen Fußballfeldern gleichen gezeichneten geometrischen Formen. Entfernungen schrumpfen zusammen und nur der starke Wind, der einem tosend um die Ohren braust und das Haar zerzaust, stört ein bißchen die Idylle, in der alles so friedlich weit unter einem liegt.

Der Fernsehturm in Stuttgart, das Empire State Building in New York, das Old Post Office in Washington, der Eiffelturm in Paris oder der Sears Tower in Chicago und Berggipfel in Hülle und Fülle eignen sich bestens für Höhenflüge. Chacun à son gout! Manchmal reicht es aus, sich gedanklich in luftige Höhen zu begeben. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein - das Lied von Reinhard Mey kennt fast jeder. Was hat es denn nun mit der Höhe auf sich, dass sie uns alles für einen Moment vergessen läßt und euphorisch stimmt? Erkennen wir erst hoch droben, wie groß die Welt, wie klein der Mensch ist und erst recht wie überflüssig Gedanken über unwichtige Dinge sind, die nur eine vorübergehende Zeiterscheinung, eine Marginalie im Universum darstellen?Der Kreislauf des Lebens wird den Stress-, Sorgen- und Kummerphasen Zeiten des Glücks und der Unbeschwertheit folgen lassen. Zeiten, in denen man es nicht nötig hat, auf den Fernsehturm zu klettern, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, Zeiten, in denen alles wie von selbst geht, wo jede Ampel grün ist, wir nur freundlichen Mitmenschen begegnen, der Wetterbericht sogar ein dauerhaftes Stimmungshoch übertroffen wird und wir meinen, zum Liebling der Götter zu werden.Herbeilocken können wir das Glück freilich nicht, auch nicht berechnen oder planen. Aber offen dafür sein und es bemerken, wenn es an unsere Tür klopft, um es willkommen zu heißen für kurze Momente oder lange Glückssträhnen. In diesem Sinne guten Flug für abhebende Gedanken, luftige Gefühle und schöne Aussichten.